Forschungsprojekt KI

KI und Social Media als Transformationskräfte der Adoleszenz

Psychodynamiken digitaler Interaktionsräume und Zukunft psychosozialer Versorgung

Digitale Plattformen und Künstliche Intelligenz sind zu zentralen Strukturprinzipien jugendlicher Lebenswelten geworden. Social Media und KI-basierte Systeme formen gemeinsam ein hochdynamisches Interaktionsökosystem, in dem Kommunikation, Selbstdeutung und Beziehungserleben kontinuierlich neu organisiert werden. Jugendliche bewegen sich dabei in hybriden sozialen Räumen, in denen algorithmische Logiken, permanente Sichtbarkeit und künstliche Dialogpartner ineinandergreifen.

Das Forschungsprojekt untersucht diese digitalen Interaktionsräume als eigenständige, strukturbildende Kontexte psychischer Entwicklung. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich unter den Bedingungen von Social Media und KI zentrale psychosoziale Prozesse verändern – darunter AOektregulation, Identitätsbildung, Mentalisierung, Ambiguitätstoleranz und Resonanzerleben.

Besondere Aufmerksamkeit gilt kritischen Dynamiken digitaler Kommunikation: Einsamkeit inmitten permanenter Vernetzung, eskalierende Interaktionsverläufe, Beschämungs- und Aggressionsprozesse, algorithmisch verstärkte Selbstdeutungen sowie neue Formen von Krisenkommunikation. KI-gestützte Systeme und soziale Plattformen werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern in ihrer wechselseitigen Verschränkung analysiert.

Forschungsansatz

Das Projekt geht über lineare Wirkungsannahmen hinaus und versteht KI und Social Media als miteinander verflochtene, strukturbildende Umgebungen psychischer Entwicklung. Digitale Technologien werden nicht primär als äußere Einflussfaktoren betrachtet, sondern als konstitutive Bestandteile intersubjektiver Wirklichkeit.

Durch die Verbindung von Adoleszenzforschung, Psychodynamik und der Analyse algorithmisch geprägter Kommunikationsräume erschließt das Vorhaben ein hochrelevantes Forschungsfeld, das bislang nur fragmentarisch untersucht wurde. Besonderes Gewicht liegt auf der integrierten Betrachtung von KI-Interaktion und Social-Media-Dynamiken sowie auf der Entwicklung praxisrelevanter Orientierungs- und Handlungsmodelle.

Relevanz für Forschung und Praxis

Digitale und KI-gestützte Kommunikationsformen sind längst integraler Bestandteil jugendlicher Lebenswelten und psychosozialer Versorgungskontexte. Gleichzeitig fehlen bislang diOerenzierte und theoretisch integrierte Bezugsrahmen, die Fachkräften in Jugendhilfe, Beratung, Schule und psychosozialen Unterstützungsangeboten Orientierung bieten.

Das Projekt entwickelt deshalb einen handlungswissenschaftlich fundierten Bezugsrahmen, der die veränderten Kommunikations- und Erfahrungsräume Jugendlicher systematisch erfasst und für Forschung, Lehre und Praxis nutzbar macht. Aus dem Wechselspiel von Digitalität und Psychodynamik sollen nicht zuletzt auch Rückschlüsse für die psychodynamische Psychotherapie von Adoleszenten gezogen werden können.

Perspektiven

Die Ergebnisse bilden die Grundlage für weiterführende Forschungsverbünde und Drittmittelprojekte im Themenfeld Digitalisierung, KI und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Darüber hinaus sollen wissenschaftliche Publikationen, praxisorientierte Leitfäden, Fortbildungsangebote und curriculare Lehrformate entstehen.

Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung psychosozialer Versorgung im digitalen Wandel und adressiert eine zentrale Frage der Gegenwart: Wie verändern KI und Social Media die Bedingungen des Aufwachsens – und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Forschung, Professionen und Gesellschaft?

A3Plakat_Psychotherapie_digital

Kontakt:

Prof. Dr. Lalenia Zizek
Studiengangsleiterin Winnicott Institut
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin /Supervisorin/ Familientherapeutin
Geibelstr. 104
30173 Hannover
Telefon: 0511- 80047818
zizek@winnicott-institut.de